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Deutsch-französischer

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Club Radolfzell e.V.

Deutsch-französische Erlebnisse

Hier werden in unregelmäßiger Folge Kurzgeschichten veröffentlicht.
Auch Sie hatten ein nettes, lustiges oder trauriges Erlebnis?
Wir würden uns freuen, wenn Sie es uns erzählen oder zusenden.

Und hier die ersten Geschichten

Der Trick mit dem "truc"

In den 60er-Jahren verbrachte ich regelmäßig einen Teil der Sommerferien am Lac de Longemer in den Vogesen. Sehr schnell kam ich in Kontakt mit den Franzosen, die auf dem Zeltplatz, wo ich mein kleines Einmannzelt aufgestellt hatte, Boule spielten.
Aber trotz meiner Schulkenntnisse in Französisch hatte ich Probleme, mich mit Ihnen zu verständigen. In der Schule legte man ja leider vor allem Wert auf Lesen und Schreiben, nicht aber auf Hören und Sprechen. Zwar verstand ich sie so einigermaßen, aber mit den Antworten war dies so eine Sache: Ein einziges Gestammel und Gestotter!

Dies ging so bis zu dem Augenblick, als mir auffiel, dass die Worte "truc", "machin", "bidule" und "chose" relativ häufig zu hören waren. Dabei waren "truc" und "machin" die absoluten Favoriten. Ich ließ mir die Bedeutung erklären und erfuhr, dass alle vier das Gleiche bedeuteten, nämlich "das Ding", also ein Ersatzwort für einen Begriff, der einem nicht sofort eingefallen war.

Dieses Wissen brachte den Wendepunkt in mein Konversationsverhalten. Plötzlich hatte ich keine Hemmungen mehr zu reden. Jedermann verstand, wenn ich sagte "donne-moi le truc, s'il te plaît" und dabei auf das kleine "Schweinchen" des Boule-Spiel zeigte.

Jahre später erzählte ich die Geschichte einem Lehrer eines französischen Gymnasiums. Er lächelte und erklärte, es handele sich bei diesen Worten um eher verpönte Begriffe des französischen "Argot" (Umgangs- / Gossensprache), die man eher vermeiden sollte.
Nach etwa einer halben Stunde erinnerte ich ihn an seine Worte und erzählte ihm, dass ich gerade eine Strichliste geführt hatte und er das Wort "truc" mindestens 14 Mal verwendet hatte!

W. Raith



Mahlzeit à la française

1958, im Alter von ca. 15 Jahren wurde ich von unserem Nachbarn, Herrn Winkler angesprochen, ob ich seine Familie nicht als Dolmetscher nach Frankreich begleiten wolle. Sein Sohn Klaus, eine Klasse unter mir, dürfe an einem deutsch-französischen Schüleraustausch teilnehmen, und sie waren von den Eltern des französischen Schülers nach Nancy eingeladen worden. Meinen Hinweis "gerade seit einem knappen Jahr Französisch zu lernen" wischten sie beiseite - dies reiche völlig aus und sie würden sicherheitshalber noch ein umfassendes Wörterbuch besorgen.

Zwei Wochen später ging es dann los. Um sieben Uhr starteten wir in Stuttgart und kurz vor 12:00 kamen wir bei der französischen Familie Rouyer an.

Zunächst war ich schockiert darüber, wie mich die fremde Frau "abschleckte" - nicht wissend, dass in Frankreich dieser Wangenkuss üblich ist. "Ich bin Jacqueline", sagte sie, "das ist mein Mann Raymond und der junge Mann hier ist Pierre".
Nach einem für mich anstrengenden Smalltalk, der sich im Wesentlichen auf das Blättern im Wörterbuch beschränkte, wurden wir gegen 13:00 zu Tisch gebeten. Es gab für die Erwachsenen einen Pastis (einen mit Wasser verdünnten gelblichen Anisschnaps) oder einen Kir Royal (ein Glas Champagner mit einem Schuss Johannisbeersirup) und für die Jugend einen Vittel Menthe oder Vittel Grenadine (Mineralwasser mit Pfefferminz- bzw. Granatapfelsirup). Dazu gab es Erdnüsse und Oliven. Letztere probierte ich erst, nachdem man sie mir mehrfach angeboten hatte. Wie heißt es so schön im Schwabenland: "Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht". Gefallen an den grünen und schwarzen Oliven konnte ich allerdings erst Jahre später finden.

Sehr erstaunt war ich dann, als das Essen serviert wurde. Zunächst legte Pierre zwei mindestens 80 cm lange Weißbrote in Stangenform (Baguette, wie sie es nannten) auf den Tisch, und der Vater zerbrach sie in handliche Stücke. Ich war es gewohnt, mittags warm zu essen und abends zu "vespern". Hier aber gab es jetzt Brot, Butter, rohen Schinken und eine Art feine Leberwurst in einem seltsamen Gelbton. Wir wollten wissen, um was es sich bei dieser "Leberwurst" handelte. "Fwa gra" erklärte uns Pierre. Wie aber sollte ich dies übersetzen? Ich wollte nicht schon wieder im Wörterbuch blättern. Mit "gra" konnte nur gras (fett) gemeint sein, und ich kannte nur zwei Worte, die wie "fwa" ausgesprochen wurden, das war einmal "fois" (mal, wie dreimal) und "foi" (Glaube, Vertrauen).
Ich übersetzte es daher mit "fettem Vertrauen, eine französischen Spezialität, mit diversen vertrauensvollen Zutaten". Im Wörterbuch fand ich später, dass es sich um "foie gras" handelte, einer sehr teuren französischen Spezialität, der Gänsestopfleber. Natürlich behielt ich dieses neu erworbene Wissen für mich, ich wollte mich ja nicht im Nachhinein blamieren!

Zum Essen tranken die Erwachsenen einen - wie mir Herr Winkler zuflüsterte - sehr süßen Weißwein. Für uns Jugendliche gab es Apfelsaft und Wasser.
Nach etwa einer halben Stunde begann die Dame des Hauses den Tisch abzuräumen, nicht ohne uns vorher zu fragen, ob wir noch etwas wollten. Eine rhetorische Frage, denn wir hatten praktisch alles "weggeputzt"! Wir lehnten daher dankend ab. Vielleicht kommt ja noch ein Nachtisch?
Und der sollte tatsächlich noch kommen! Zunächst aber holte Raymond eine Flasche Weißwein. Ihm folgte Jacqueline mit einer Schüssel Gemüse und einer Platte mit Fisch! Pierre brachte ein weiteres Baguette. Klaus und ich, wir schauten uns verwundert an. Ich hatte die feste Absicht, den Fisch dankend abzulehnen - ich war ja satt! Aber da erinnerte ich mich an die Worte meiner Eltern, als Gast aus Höflichkeit zumindest eine kleine Portion zu nehmen. Ich nahm dann auch das kleinste der Fischstücke. Tapfer leerte ich meinen Teller. Zum Glück aßen die Gastgeber alle sehr langsam, so dass es nicht auffiel, wie gequält ich auf dem Essen herumkaute.
Zwischendurch servierte Raymond den Erwachsenen noch ein "trou normand", einen Birnenschnaps um Platz zu schaffen, wie er erläuterte.

Inzwischen war es 15:00. Klaus und ich wurden langsam unruhig!
Als Raymond dann mit einer Flasche Burgunder-Rotwein ankam, schwante mir Fürchterliches! Und die Katastrophe kam dann in Form von Kartoffelpüree und "boeuf bourguignon", einem Rinderbraten in Rotweinsoße. Als Jacqueline unsere erstaunten bis entsetzten Gesichter sah, sagte sie sehr freundlich "prenez votre temps - nehmt euch Zeit", was wir gerne taten.
Als wir alle unseren Teller geleert hatten, stand der Hausherr auf, holte eine weitere Flasche Rotwein, diesmal war es ein Bordeaux, öffnete diese und schenkte den Erwachsenen ein.
Wein zum Nachtisch? Pustekuchen, Jacqueline kam herein mit einer Schüssel Feldsalat und einer riesigen Platte mit mindestens 10 verschiedenen Käsesorten. "Aha, daher der Ausspruch: Käse schließt den Magen" dachte ich mir. Aus Höflichkeit nahm ich ein kleines Stück von dem Schimmelkäse, dem Roquefort, der mein Lieblingskäse werden sollte. Es folgte dann noch, inzwischen war es 17:00 geworden, ein gemischtes Eis mit Sahne und danach Kaffee mit einem 'petit four' (verschiedenes süßes und salziges Kleingebäck) für die, die es wünschten.
Um das Abendessen, das gegen 21:00 gereicht wurde, konnten wir Jungs uns dann erfolgreich drücken.

"Mein Gott, sind die Franzosen verfressen", dachte ich mir vor dem Einschlafen!

Jahre später, nach zahlreichen weiteren Besuchen in Frankreich, erinnerte ich mich an dieses erste Erlebnis. Was dachten wohl damals die Franzosen von uns?

"Mon dieu, sind die Deutschen verfressen, sie verputzen die gesamte Vorspeise, die für drei Tage gedacht war, auf einmal - und das in einem Tempo, als ob sie drei Tage gehungert hätten!"

W. Raith



Ein wenig Käse bitte?

Nach einem äußerst erfolgreichen Geschäftsjahr lud der Inhaber einer aufstrebenden EDV-Firma alle seine 12 Mitarbeiter zu einem Wochenende in Paris ein.

Nach der Ankunft im Hotel und einiger Zeit für die Erholung und Erfrischung traf man sich in der Hotelbar um das weitere zu besprechen. Da niemand der französischen Sprache mächtig war, gestaltete es sich sehr schwierig, dem Barkeeper eine Empfehlung eines Restaurants zu entlocken. "Allemann?" fragte er immer wieder, vermutlich weil er das Problem kannte, kurzfristig für 12 Leute einen Tisch zu bekommen. "Ja, alle Mann", antwortete unser Chef. Nachdem er uns aber nichts empfehlen konnte, versuchten wir es auf eigene Faust. Restaurants gab es ja unendlich viele - alle aber mit sehr kleinen, eng gestellten Tischen.

Und die Speisekarten an den Türen - Bücher mit sieben Siegeln! Das Einzige, was wir verstanden, war die Überschrift "Menus". Die Bedeutung des Wortes "Couvert", was immer dabei stand und 7 Francs kosten sollte, wurde unserem Chef erst beim Bezahlen bewusst. Nach langer Suche entdeckten wir endlich ein Restaurant, das ein wenig einem deutschen Bierkeller ähnelte mit großen Tischen und Bänken. Als wir dann auf der Speisekarte "pied de cochon" entdeckten, hieß es "nichts wie rein", denn dass "cochon" Schwein bedeutete, das wussten wir fast alle. Es konnte sich vermutlich nur um Schweineschnitzel handeln. Und da konnte man ja wirklich nichts verkehrt machen.
Wir bestellten also alle "pied de cochon", indem wir in der Karte darauf deuteten. Inzwischen hatten wir einen Bärenhunger und freuten uns als eine Suppe kam, die wir gar nicht bestellt hatten. Es war allerdings Menüzwang, wie wir später feststellten. Nach der Suppe kam dann das Schwein, aber welch eine Enttäuschung! Es handelte sich um Schweinsfüße, klein und fast nur aus Haut und Knochen bestehend! Im Anschluss daran brachte der Ober zu unserer aller Freude ein riesengroßes Tablett mit zahlreichen verschiedenen Käsestücken. Mit diesem Käse und den drei dazu gestellten Körbchen mit Baguette wurde dann auch der Letzte von uns satt.

Der Ober aber war nahe daran, einen Herzinfarkt zu erleiden, als er die leere Platte sah. Was er durch das Restaurant schrie, verstanden wir zum Glück nicht, er schien aber ein Freund einer süddeutschen Qualitätsfirma zu sein, denn er brüllte wieder und wieder "Sal Bosch".

Vermutlich hat sich diese Geschichte sehr schnell in Frankreich herumgesprochen, denn heute wird Ihnen fast überall der Käse am Tisch vom Ober serviert.

Wenn man mir jetzt Käse anbietet, sage ich mit einem breiten Lächeln "Un peu de tout (Von allem ein wenig)".

W. Raith

Anmerkungen:
Früher wurde das couvert (Gedeck) extra berechnet.
Boche (gesprochen bosch) war ein weit verbreitetes Schimpfwort für die Deutschen


Anismilch

1953, acht Jahre nach Kriegsende, war ich zehn Jahre alt. Endlich hatten wir wieder einen wolkenlosen Himmel. Als ich von der Gasse nach Hause kam, stand in unserem Hof ein silbergraues Motorrad, ein richtiges Motorrad! Das hatte es bei uns noch nie gegeben. Es hatte zwei große glänzende Auspuffe, die am Motorblock blau waren, und es hatte ein ausländisches Kennzeichen. Auf dem großen Tank war Horex zu lesen, und auf den Windabweisern waren viele tote Mücken zu sehen. Er musste also weit gefahren sein. Natürlich habe ich mich sofort bei meinen Eltern erkundigt, wo das Motorrad hin gehört.

In der Küche saß ein großer schlanker Mann. Er hatte ein Gesicht wie Winnetou, braune Haut und einige Kerben im Gesicht. Seine Sprache war etwas komisch, ein paar Wörter habe ich verstanden.

Mein Vater erklärte mir, dass Herr Weber aus dem Elsass mit seinem Motorrad bis zu uns an den Bodensee gefahren sei. Er wollte seine Freunde wieder sehen. Mir kam dies seltsam vor, die Franzosen waren doch unsere Feinde!
Doch mein Vater klärte mich auf. Herr Weber hatte hier in Radolfzell nach dem Krieg im Radolfwerk gearbeitet. Da mein Vater auch dort arbeitete, haben sie sich kennen gelernt und sind Freunde geworden. Nachdem Herr Weber wieder ins Elsass zurückging, haben sie sich aus den Augen verloren. Und nun stand Herr Weber plötzlich vor der Türe.
Wir verbrachten dann einige schöne Tage zusammen mit unserem Gast.
Meine Schwester und ich wurden dann eingeladen, bei seiner Familie im Elsass die Ferien zu verbringen. Wir hatten natürlich sofort zugesagt.

Herr Weber hat uns mit einem Renault 4 CV abgeholt. Wir durften das erste Mal in die Ferien und dann gleich nach Frankreich! Unsere Fahrt ging über Singen, das bis dahin für uns weiteste Ausflugsziel, Donaueschingen, Neustadt, Freiburg (eine riesige Stadt!) nach Breisach. Dort überquerten wir den Rhein. "Jetzt sind wir schon in Frankreich" sagte uns Herr Weber. Die nächste Stadt war Markolsheim. Waren wir schon wieder in Deutschland? Aber Herr Weber klärte uns auf. Ein deutscher Name für eine französische Stadt, denn das Elsass war ja vorher schon einmal deutsch. Was mir sofort auffiel: Es gab nur kleine Häuser mit sehr großen Hofeinfahrten und auf den Gartenmauern blühten überall Geranien. In den Vorgärten und auf den Hausdächern standen schwarzweiße Blechstörche. Bald waren wir in Hilsenheim, einer kleinen Ortschaft mit Gastwirtschaft und Kirche. Herr Weber war zuhause und wir in den Ferien.

Frau Weber hat uns im wahrsten Sinne des Wortes herzlich begrüßt. Sie hatte Brüste, so was hatte ich vorher noch nie gesehen. Das war für meine zehnjährigen Augen etwas Besonderes. Sie nannte mich nur "s'Biäwälä". Ich war stolz, ich hatte das erste französische Wort gelernt. In Frankreich spricht man ja Französisch!

Am Sonntag, als die Glocken der Kirche zu läuten begannen, hat uns Frau Weber in die Kirche geschickt, sie musste ja kochen. Da das Wirtshaus auf dem Weg zur Kirche lag, ist Herr Weber augenzwinkernd mit uns gleich dort eingekehrt.
Die Glocken hatten aufgehört zu läuten.

Herr Weber bestellte uns eine Anismilch. Das tranken dort alle. Herr Weber spielte dann mit seinen Freunden Karten, und wir haben unsere Anismilch getrunken. Sie schmeckte köstlich nach Anis und war sehr süß. Als die Gläser leer waren, wurde am Tisch in unsere Gläser eine klare Flüssigkeit gegossen. Auf der Flasche konnte ich "Pastis" lesen, was mir aber nichts sagte. Dann wurden die Gläser mit Wasser aufgefüllt, und schon hatten wir unsere Anismilch. Anis kannte ich ja bisher nur von den Springerle. Aber ich hatte das Gefühl, Anismilch macht leicht und locker. Auf dem Heimweg haben meine Schwester und ich uns an den Händen gehalten und gegenseitig gestützt.

Frau Weber hatte inzwischen Hasenpfeffer gekocht. Das hatten wir noch nie gegessen. Mein Vater hatte doch Recht. Er hatte immer gesagt, einen Hasen kann man nur fangen, wenn man ihm Pfeffer auf das Schwänzchen streut.
In dem Hasenpfeffer waren so eine Art Bauchlappen drin. Herr Weber hat auch von Lappen gesprochen. Komische Gerichte machen die Elsässer, die kochen Lappen.

Am Montag hatten wir einen noch nie zuvor gekannten Durst, und das Hahnenwasser schmeckte deshalb köstlich. Noch heute sehe ich das verschmitzte Gesicht von Herr Weber, der leider schon lange verstorben ist.

Zuhause erzählten wir unseren Eltern, dass es sehr schön war und dass die Elsässer Anismilch trinken und Lappen kochen.

In der Zwischenzeit habe ich etwas Französisch gelernt und weiß, dass mit Lappen in Wirklichkeit "lapin" (Hase) gemeint war. Und ich weiß auch, dass der Pastis etwa 54 % Alkohol hatte, was die wundersamen Erfahrungen mit der "Anismilch" erklärt!
Und dass "Biäwälä" nicht Französisch sondern Elsässisch ist und Bübchen bedeutet, das ist mir inzwischen auch klar!

E. Baur



"Oben ohne"

Auf Einladung einer Europaabgeordneten verbrachten wir zwei Tage in Straßburg.
Nachdem wir die Abgeordnete den ganzen Tag bei ihrer Arbeit begleiten durften, lud sie uns für den Abend in ein sehr feines Restaurant im Gerberviertel ein. Sie wollte uns um 20:00 am Hotel abholen.
Als dann der Portier anrief, um den Besuch anzukündigen, war meine Frau noch heftig im Bade zugange. Ich bat sie, sich zu beeilen. Nach einigen Minuten war sie dann bereit. Da es sehr kalt war, zogen wir noch schnell unsere Mäntel über und eilten hinunter an den Empfang. Wir entschuldigten uns für die Verspätung und gingen dann mit unserer Gastgeberin zum Auto und fuhren in das Restaurant. Obwohl dieses gut besucht war, hatte ich den Eindruck, es gäbe mehr Personal als Gäste.
Drei Ober bemühten sich, uns unsere Mäntel abzunehmen. Ungeschickterweise zog mir der Ober mit dem Mantel auch gleich mein Sakko mit aus. Eilig versuchte ich, es aus dem Mantel herauszuziehen. Aber, oh Schreck, es war kein Sakko vorhanden. Ich hatte es im Hotel vergessen! Am liebsten wäre ich in den Boden versunken. Wie ein Dieb schlich ich mich an unseren Tisch. Das nach Meinung meiner Begleiterinnen vorzügliche Essen konnte ich leider nicht recht genießen, zu sehr war ich beschäftigt, in Gedanken die Blicke der anderen Gäste abzuwehren.

W. Raith



Die Nacht von Marrakech

Sommersemesterferien 1971. Jetzt noch 6 Wochen arbeiten und dann die Traumreise! Im alten VW auf nach Marokko, nach Marrakech, das Mekka der Hasch – Jünger…..obwohl wir gar keine waren. Karl und ich hatten es endlich geschafft. Wir fuhren in Karls Herbi durch Frankreich und Spanien Richtung Marrakech.

Von Algeciras aus, der Stadt gegenüber von Gibraltar schifften wir uns ein nach Tanger ….allerdings ohne unseren Herbi, aber das war so geplant. In Tanger setzten wir uns in einen Zug und fuhren die Atlantikküste längs bis Casablanca, der Stadt von Rick´s Café. Hier stiegen wir um in den Marrakech - Express und erreichten am nächsten Morgen bei Sonnenaufgang Marrakech. Der Zug fuhr durch Orangenhaine in eine Welt, wie wir sie vorher noch nie gesehen hatten.

Während dieser Fahrt hatten wir Latif kennen gelernt. Ein ebenso junger Bursche wie wir. Sein Vater musste wohl sehr reich ein, denn dieser hatte ihm für sein bestandenes Abitur eine Europareise geschenkt. Durch ihn lernten wir schnell einige Marokkaner und Kneipen kennen, die wir sicher hätten lange suchen müssen. Und auch Mhammed. Mhammed war vielleicht Mitte 20 und besaß eine Pferdekutsche, mit der er Touristen die Stadt zeigte.

Mhammed machte uns einen guten Preis und Karl und ich ließen uns Marrakech und Umgebung von einer Pferdekutsche aus zeigen. Während des Tages lernten wir uns immer besser kennen und Mhammed lud uns dann für den nächsten Abend zu sich nach Hause zum Essen ein. Wir verabredeten eine Uhrzeit und Mhammed versprach uns abzuholen.

Karl und ich wohnten in einem Hotel für 5 (fünf!) D - Mark in der Altstadt, durch einen großen steinernen Torbogen ca. 50 m entfernt vom Djemaa El Fna, dem berühmten Marktplatz von Marrakech. Zur Erinnerung. Wir schreiben das Jahr 1971. Der Tourismus war schon da, klar. Aber es war noch die Zeit, dass schon mal eine blonde Frau verschwand und nie wieder auftauchte. Wir waren 2 junge, kräftige Burschen, mit denen so ein Sultan eher weniger anfangen konnte und außerdem hätten wir jedem sicher gezeigt, wo Dingsbums den Most holt. Also ein ungutes Gefühl hatten wir sicher nicht. Aber es muß gesagt werden, dass nach Einbruch der Dunkel-heit die Touristen aus der Altstadt und vom Djemaa El Fna verschwanden. Da waren dann die Araber unter sich.

Mhammed hielt Wort und holte uns an dem Torbogen ab. Wir gingen zu ihm nach Hause. Er bewohnte mit seiner Frau in einem vielleicht 3 stöckigem Haus ein Zimmer. Küche und andere Räume teilten sich die Hausgemeinschaft. Er hatte noch einen Freund eingeladen und seine Frau hatte Kuskus zubereitet. Wir erlebten einen exotischen Abend. Nach dem Essen ging es auf das Dach und ein “Pfeifchen“ brannte uns diese Bilder ein zu unvergessenen Eindrücken. Es mochte irgendwann zwischen 0.00 und 1.00 in der Nacht gewesen sein, als wir dann schließlich den Abend beendeten.

Mhammed und sein Freund brachten uns zum Djemaa El Fna bis zu dem Torbogen. Von diesem aus konnten wir unser Hotel schon sehen. Sonst hätten die beiden uns sicher bis zum Eingang gebracht. Die beiden waren beruhigt, uns sicher abgeliefert zu haben und wandten sich um und gingen.

Karl und ich waren noch so fasziniert von dem Treiben auf dem Platz, die vermummten Gestalten (Frauen sah man schon tagsüber kaum und um diese Zeit schon mal gar nicht), überall brannten kleine Feuer, wurden noch Mahlzeiten zubereitet, wurde durcheinander geredet, irgendwo kam orientalische Musik her, was getrunken wurde, keine Ahnung.

Und dann, plötzlich, ohne eine Vorankündigung….sie muß von hinten, von der Seite gekommen sein….ein wunderschönes Mädchen vielleicht 18 Jahre alt mit langen blonden Haaren, T-Shirt, Jeans griff mit beiden Händen in meine Oberarme und krallten sich fest. 2 übergroße angstverzerrte Augen starrten mich an.

Und dann redete sie auf mich ein…..ein Schwall von Worten….französisch…..toll…das war aber so ziemlich das einzige, was ich feststellen konnte. Ich verstand nichts, aber eines war klar….sie hatte furchtbare Angst.
Ich versuchte meine Gedanken zu sortieren und mit einem Jahr Französischunterricht brachte ich schließlich hervor…je suis Allemagne. Ich denke mal, sie hatte auch ein Jahr Deutsch-unterricht gehabt und stammelte…Angst…viele Männer, dabei zeigte sie auf eine Gruppe von vielleicht sechs , sieben vermummten Gestalten in ihren langen Kaftanen, die abwartend in einer Entfernung von ca. 10 m uns beobachteten. Daß die nichts Gutes im Schilde führten, dazu brauchte man wirklich kein Hellseher sein. Also…..was tun?

Dann der zündende Gedanke…Mhammed als Marokkaner sprach französisch. Wir hatten uns auf englisch mit sehr niedrigem Niveau verständigt, aber es ging. Ich schaute in die Richtung, in der Mhammed und sein Freund verschwunden waren und richtig. Dort standen sie noch, einen Steinwurf entfernt….und beobachteten diese Szene. Sie hatten bemerkt, dass etwas nicht stimmte und waren ganz einfach stehen geblieben. Ich winkte Mhammed zurück.

Und jetzt kam es noch dicker. Als das Mädchen bemerkte, dass ich auch so dunkle Gestalten kannte, wurde der Schrecken in ihrem Gesicht noch größer, ihre Augen weiteten sich und sie wollte weglaufen. Aber jetzt hielt ich sie an den Oberarmen fest. Ich denke, sie hat sicher einige Tage blaue Flecken gehabt, denn ich mußte sie wirklich mit Kraft festhalten. Nach einigen Sekunden allerdings ermatteten ihre Kräfte und sie schien sich in ihr Schicksal zu ergeben.

Es waren quälende Sekunden bis Mhammed endlich heran war. Aber dann stand er neben uns. Ich bedeutete ihm, mit dem Mädchen zu reden. Die beiden sprachen dann zusammen….. französisch. Mhammed sagte mir dann, sie hätte noch mal das Hotel verlassen und sich dann verlaufen. Frag sie, ob sie den Namen des Hotels weiß. Sie wusste ihn. Ich fragte dann Mhammed, ob er das Hotel kenne. Er grinste mich schon ein wenig stolz und meinte….sure….sicher.

Es war eine schon seltsame Szene. Ich sagte nur…..also dann… und nickte mit dem Kopf nach vorne. Mehr wurde nicht mehr gesprochen. Es wurde auch nicht abgesprochen wie wir gehen sollten. Es funktionierte intuitiv. Niemand rührte das Mädel an, nahm es beschützend in den Arm, an die Hand oder so. Wir gingen los….2 Mann vorne 2 Mann hinten, das Mädchen in der Mitte. Eine Formation, als würde man einen deutschen General abführen.

Ich ging hinten und kam beim Abmarsch so bis auf 2 m an die wartenden dunklen Gestalten heran. In meinem Kopf spielte sich eine Messerattacke ab und wie ich zurückschlagen würde. Die Augen, die uns da verfolgten waren voll blankem Hass. Hatten wir ihnen doch die Beute in letzter Sekunde entrissen. Aber die Messerattacke blieb aus.

Wir verließen den hell erleuchteten Djemaa el Fna und gingen durch die dunklen Souks…mal dunkler mal heller. Niemand sprach ein Wort. Was mag in dem Kopf des Mädchens sich wohl abgespielt haben? Ich weiß noch, es war kein kurzer Weg, wir gingen bestimmt gut über 10 Minuten durch dieses Labyrinth und dann letztlich bogen wir immer noch in unserer Marschformation um eine Ecke und ein kleiner Platz öffnete sich. Und da saßen sie.

Die Freunde von unserem Schützling, Jungen und Mädchen, bestimmt so 20 an der Zahl. Sie saßen draußen auf dem Bürgersteig vor dem Hotel, sie standen rum, die Fenster im ersten Stock waren voller junger Menschen. Sie warteten auf ihre Kameradin, die schon schmerzlich vermisst wurde. Augenscheinlich war es eine Schulklasse auf Klassenfahrt.

Als wir uns dann aus der Dunkelheit lösten und uns auf sie zu bewegten, plötzlich ein gellender Schrei. Alles fuhr zu uns herum und stürmte im nächsten Augenblick los und umringte uns. Es war nur ein Stimmenwirrwarr zu hören und verstehen konnten wir eh nichts.

Letztlich standen wir 4 Retter etwas verloren und schauten uns das Spektakel an, wie die anderen jungen Leute auf das Mädchen einredeten, es umarmten und über ihr Haar strichen. Plötzlich drehte sie sich zu mir, kam zu mir, nahm mich in den Arm, drückte mich an sich und küsste mich. Dann drehte sich rum und lief so schnell sie konnte, ins Hotel. Ich habe sie nie wieder gesehen.

Nachdem uns einige der jungen Leute auf die Schultern geklopft hatten, machten wir uns auf den Weg zurück. Ich habe nicht mehr in Erinnerung, ob gesprochen wurde. Dieses Erlebnis hatte jeden von uns irgendwie aufgewühlt. Ich habe auch nicht mehr in Erinnerung, ob wir Mhammed noch mal gesehen haben. Ich glaube, so zwei Tage später haben wir dann den Heimweg angetreten.
Sicher hätte ich bei jedem anderen Mädchen ebenso reagiert, aber dass es eine Französin war, hatte mich schon sehr gefreut. Und, als Frontmann von den Vieren, habe ich sie retten dürfen…nicht weil ich so mutig oder tapfer war, ich war einfach nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

K.Michael Erkelenz



Der Plesir-Onkel

Im Jahre 1943 wurde ich in Tübingen geboren. Wir waren bei meiner Großmutter untergebracht. Sie wohnte im großen Haus eines bekannten Medizinprofessors. Wir waren dadurch sicher vor den Bomben, die über Stuttgart, dem ursprünglichen Wohnort meiner Eltern, niedergingen. Tübingen war schon damals eine Stadt mit großen Universitätskliniken und daher im Kriege weitgehend verschont geblieben. Meine einzige Erinnerung an die damalige Zeit ist der starke Duft der Buchssträucher, die den langen Weg von der Straße durch den Garten zum Haus säumten. Auch heute noch denke ich sofort an diesen Weg, wenn ich irgendwo den Duft von Buchs verspüre.
Meine Eltern erzählten mir nun folgendes.
Kurz vor Ende des Krieges wurde der Garten und das Haus von einer französischen Einheit besetzt. Die führenden Militärs wohnten im Hause, die Mannschaft in einem großen Zelt im Garten. Offensichtlich hatten die Soldaten Freude an mir, und schon am ersten Tag stopften sie mir die Hosentasche voll mit allerlei Leckereien. Dies ging einige Tage so weiter. Meine Großmutter wusste die Situation auszunutzen. Sie zerschnitt eine ihrer Schürzen und nähte daraus eine kleine Schürze für mich mit zwei riesengroßen Taschen. Damit schickte sie mich nun in den Garten zum Spielen, wobei sie mir noch zurief: "Und sag schön 'Märsi', wenn Du etwas geschenkt bekommst, das heißt 'Danke' auf französisch. Ganz stolz kam ich kurz darauf zurück in die winzig kleine Wohnung, die man uns zugewiesen hatte, und schrie ganz aufgeregt: "Schaut, was mir der liebe Plesir-Onkel gegeben hat, Kaffee für Mama und Oma, Zigaretten für Papa und Schokolade für Wolfgang".
Woher der Name "Plesir-Onkel" kam, kann ich heute nur vermuten. Hatte der liebe Onkel auf mein "Märsi" vielleicht mit "avec plaisir" geantwortet?

W. Raith



Die lange Nacht

Ab meinem 12. Geburtstag fuhr ich in den Sommerferien ca. 40 km mit dem Fahrrad von Weilimdorf nach Breitenholz, einem winzigen Dorf zwischen Tübingen und Herrenberg. Bei dem damaligen Straßenverkehr war dies noch recht angenehm und ungefährlich. Während 3-4 Wochen half ich dort meiner Großtante und meinem Großonkel bei der Getreide- und Heuernte.
Ab dem 16. Lebensjahr fuhr ich dann in den Sommerferien zunächst über den Schwarzwald nach Straßburg und von dort am nächsten Tag weiter an den Lac de Longemer in den Vogesen. Dort verbrachte ich ca. 2 Wochen auf dem Zeltplatz. Von dort fuhr ich dann zurück nach Breitenholz zur Ernte. Im dritten Sommer sollte aber alles anders kommen. In der Abfahrt aus dem Schwarzwald in Richtung Frankreich brach plötzlich der Gepäckträger meines Fahrrads. Der Koffer öffnete sich und die Kleidung lag auf der Straße verstreut. Das Zelt kullerte einige Meter einen Abhang hinunter. In aller Eile suchte ich meine Siebensachen zusammen und stopfte sie in den Koffer. Allerdings war Eile nicht geboten, denn es gab damals noch kaum Verkehr auf dieser Strecke. Wie sehr hätte ich mir einen LKW gewünscht, der mich hätte mitnehmen können. So aber holte ich noch mein Zelt und lud es zusammen mit dem Koffer auf Querstange und Lenker. An Fahren war nicht mehr zu denken. Ich schob daher mein Fahrrad gefühlte 100 km (in Wirklichkeit waren es etwa 4 km) zum nächsten kleinen Dorf. Zum Glück fand ich dort auch schnell einen Hufschmied, der mir den Fahrradständer schweißte. Als er erfuhr, was ich noch vor hatte, verzichtete er auf eine Bezahlung und er gab mir darüber hinaus noch eine Rolle festen Draht "für alle Fälle". Der Rest der Hinfahrt verlief dann problemlos.
Am vierten Tag aber schon die nächste Überraschung! An der Rezeption lag ein Brief für mich; das konnte nichts Gutes bedeuten! Ich öffnete den Brief und war zunächst beruhigt, kein Unglück war passiert. Stattdessen eine Hilferuf "Bitte komme möglichst rasch, die Ernte ist schon in vollem Gange".
Den Tag wollte ich aber noch genießen, ich ging noch einmal schwimmen im Lac de Longemer, und spielte Boule mit meinen französischen Freunden. Dann verabschiedete ich mich, packte meinen Koffer und baute mein Zelt ab. Gegen 20:00 führ ich dann los in Richtung Breitenholz. Kurz vor Mitternacht kam ich in Wintzenheim, einem kleinen elsässischen Weindorf, an. Dort herrschte noch reges Treiben - es wurde ein Weinfest gefeiert. Nach der anstrengenden Vogesenüberquerung nahm ich die Gelegenheit gerne wahr und ruhte mich ein wenig aus bei einem (oder waren es mehr?) Glas Edelzwicker. Danach ging es beschwingt weiter. Gegen Mittag kam ich dann völlig übermüdet bei meinen Verwandten an. Ein gutes Vesper und ein Glas Most machten mich aber wieder fit für die schwere Erntearbeit!

W. Raith



Forelle blau

Man erzählt sich folgendes.
Als gegen Ende des 2. Weltkriegs die französische Armee sich der Stadt Radolfzell näherte, verbreitete sich in der größten Schnapsbrennerei der Stadt die Angst, die Besatzer könnten nach Beschlagnahme der umfangreichen Alkoholvorräte diesem zu ausgiebig zusprechen. Da man vor den Folgen übermäßigen Alkoholgenusses der jungen Männer Angst hatte, entschloss man sich, sämtliche Alkoholvorräte in die Aach-Mündung und in den Bodensee zu kippen.
Ob daher wohl der Begriff "Forelle blau" herrührt?

W. Raith



Blind und taub?

Während unseres Aufenthalts in Bourganeuf, der Partnerstadt von Zirndorf stand auch ein Besuch eines Bauernhofs auf dem Programm.
Der Landwirt hatte sich vor allem auf die Zucht von "Limousinen" spezialisiert, die typische kleinwüchsige, braune Rinderrasse im Limousin.
Stolz führte uns der Bauer in seinen offenen Stall, in dem die Rinder in Reih und Glied vor dem Futtertrog standen und uns anstarrten.
Wir, eine Gruppe von 15 Personen verteilten uns längs des langen Trogs, so das jeder einen guten Blick auf die schmucken Tiere hatte. Es dauerte nicht lange, bis eines der Tier etwas fallen ließ. Einer der Teilnehmer hatte wohl dergleichen noch nie gesehen, so laut brach er in ein Gelächter aus. Die Tiere waren so erschrocken, dass sie wie auf Kommando kehrt machten und davon rannten. Wie aus Kanonen geschossen flogen darauf hin die sogenannten Kuhfladen auf uns zu.
Ich war zum Glück am Ende des Stalls und konnte mich mit einem kühnen Sprung nach außen retten. Die übrigen Teilnehmer hatten weniger Glück. Das geringste Malheur war noch eine bekleckerte Bluse. Andere hatte es schwerer getroffen. Überall im Gesicht und in den Haaren fanden sich Spuren des streng riechenden Mists, auf Augen, in den Ohren, auf dem Mund, und, und, und.
Dem Landwirt war es natürlich sehr unangenehm und er führte die Gruppe zu einer Wasserstelle, wo sich die Teilnehmer mit einem Schlauch mehr oder weniger gründlich säubern konnten. Die dann von ihm spendierten 2 Flaschen Apfelschnaps waren in kürzester Zeit geleert, wobei ein beträchtlicher Teil dazu verwendet wurde, den "Duft" am Körper und in der Kleidung zu neutralisieren.

W. Raith



Lieber Pils statt Pilz

Pünktlich um 10:00 ging sie los, unsere Tageswanderung mit unseren Freunden in der Partnerstadt Bourganeuf im Departement Creuse in der Region Limousin.
Schon bald erreichten wir ein ausgedehntes Waldgebiet.
Plötzlich merkte ich, dass sich unsere Wandergruppe immer mehr verkleinerte. Nach allen Seiten schwärmten die Teilnehmer aus. War etwas mit dem Frühstück nicht in Ordnung gewesen? Lag es an den Rühreiern oder an dem für manche ungewohnten französischen Kaffee? Das ganze klärte sich allerdings sehr schnell auf. Hier ein Schrei „Des trompettes de la mort“, dort der Ruf “Wahnsinn! Riesensteinpilze“.
Die Pilzliebhaber der Gruppe hatten Lunte gerochen und waren ausgeschwärmt, um Pilze zu suchen!
In kürzester Zeit war eine ordentliche Sammlung von Pilzen beisammen, die nun gemeinsam begutachtet wurde. Die Ansichten, welche der Exemplare genießbar seien und welche eher nicht, gingen weit auseinander. Dabei gab es keine scharfe Grenze zwischen den deutschen und den französischen Pilz-“Kennern“, nein auch unter unseren französischen Freunden wie auch unter den deutschen Gästen kam es zu heftigen Diskussionen. Dies war aber kein Grund, auf das Sammeln weiterer Pilze zu verzichten, mit musste fast alles!
Offensichtlich hatten die Pilzfreunde selbst nicht damit gerechnet, so viele Pilze zu finden, denn Körbe oder ähnliche für das Pilzsammeln geeignete Behältnisse waren nicht vorhanden. Es mussten daher Hüte, Taschentücher, Rucksäcke u.a. herhalten, um die Unmengen an Pilzen zu transportieren. Aufgrund des großen Zeitverlustes musste die Wanderstrecke natürlich verkürzt werden. Dennoch erreichten wir unser Hotel mit noch großer Verspätung.
Der Koch des Hotels wurde gebeten, die Pilze am Abend für die Gruppe zuzubereiten. Gerne war er dazu bereit, wobei er die Hälfte der Pilze für den nächsten Tag zurücklegte.
Als die Pilze serviert wurden, hielten sich Alfons und ich vornehm zurück. Wir hielten uns lieber an ein Pils. Nach den sehr unterschiedlichen Ansichten von genießbar bis stark giftig, wollten wir sicherstellen, dass gegebenenfalls ein würdiger Nachruf in den französischen und deutschen Zeitungen veröffentlicht werden konnte. Eine Abstimmung über einen geeigneten, würdevollen Text wollten wir den übrigen Teilnehmern am Essen dann doch nicht zumuten, denn schließlich sollten sie das Pilzgericht uneingeschränkt genießen. Ein Nachruf in den Zeitungen war glücklicherweise nicht nötig!

W. Raith



Französische Limousinen-In 2 Sekunden von 0 auf 50

Unser Freund Jean-Claude begleitete unsere Gruppe zu seinem Freund, der in der Nähe unserer Partnerstadt Bourganeuf einen landwirtschaftlichen Betrieb mit Tierhaltung und Obstanbau bewirtschaftete. Nach einem Rundgang durch den Hof mit den zahlreichen Scheunen voll mit Gerätschaften ging es zu einem offenen Stall.
Als wir ankamen, standen ca. 15 Rinder in Reih und Glied und schauten uns neugierig an.
Es waren die weit über das Limousin hinaus bekannten „Limousinen“, eine kleinwüchsige, rotbraune Rasse, die vorzügliches Fleisch liefert.
Wir verteilten uns vor den Tieren, die von uns durch eine kleine Mauer getrennt waren. Ganz Mutige hielten Ihnen etwas Futter vor die Nase.
Heute noch rätsele ich, wer plötzlich einen Schrei ausstieß und warum. War er/sie von einem Tier gebissen worden?
Die Reaktion der Rinder ließ nicht auf sich warten.
Wie auf Kommando machten sie kehrt und rannten davon.
So schnell wie diese Rennmaschinen konnten wir nicht reagieren.
Und so ergoss sich ein Schwall von mehr oder weniger festem Kuhmist über uns.
Nur wenige der Besucher blieben verschont. Hier war das Ohr völlig zugedeckt, dort war das Gesicht mit vielen Punkten und Flecken verziert.
Fast alle aber hatten die Sch…..önheitsflecken auf der Kleidung.
Dem Landwirt war dies natürlich sehr peinlich. Er führte uns zu einem Brunnen im Hof, wo wir uns notdürftig reinigen konnten.
Dann brachte er uns eine Flasche guten Schnaps. Wir wussten nicht, ob wir ihn trinken oder besser zur Reinigung verwenden sollten. Wir verwendeten ihn für beides und zudem noch zur Überdeckung des strengen Geruchs.
Natürlich reichte dann die Flasche nicht. Doch Jean-Claudes Freund sorgte prompt für Nachschub.
Nachdem wir uns einigermaßen gereinigt, erholt und gestärkt hatten, führte uns unser Gastgeber zu einer Apfelplantage, von der wir Äpfel ernten durften, so viel wir tragen konnten.
Mit vielen, vielen Entschuldigungen wurden wir verabschiedet.
Schnell ging es dann zurück ins Hotel und unter die Dusche!

W. Raith